Zielgruppenwahlkampf - UPDATE

28.April 2008 Markus

UPDATE: So, nun sind die Kommentare also freigeschaltet (und offen für weitere Kommentierung). Als ich die Spots zum ersten Mal gesehen habe, hatte ich einen ähnlichen Eindruck wie die meisten hier: Obama ist sympathisch (weil er nicht so bemüht rüberkommt), Hillary unpassend (Mütterchenhalstuch, aber pseudocoole Wrestlingsprüche) und John McCain ist völlig unerträglich (anbiedernd und prollig). Triumphierend habe ich die Spots Tina gezeigt, nach dem Motto “Haha, schau dir mal an, wie sich Hillary und McCain zum Affen machen”. Meine schlaue Frau hat mich jedoch auf ein dezentes Detail aufmerksam gemacht: die Zielgruppe! Wenn man sich nämlich einmal überlegt, wer sich Wrestling so ansieht - wenn es nicht gerade Kids sind, primär… nun ja, die “Unterschicht”, und sich mal in einen amerkanischen Redneck hineinversetzt, der sich zu Hause im Trailer ein bis drei Sixpacks Budweiser und dazu Wrestling reinzieht (gut, das ist nun ein wenig arg überspitzt dargestellt, aber ihr wisst schon, was ich meine), dann ergibt sich auf einmal ein anderes Bild: Obama wirkt ein wenig linkisch und viel zu intellektuell und McCain ist der coole Hund, der einfach mal Klartext redet. Introducing Osama bin Laden to the Undertaker? Hell yeah!! Nur Frau Clinton macht mit diesem Auftritt fürchte ich weder bei der Zielgruppe, noch bei unsereiner einen Stich…

* * *

Wie ja sicherlich allgemein bekannt, ist der Kampf um die Präsidentschaftskandidatur zwischen Obama und Hillary immer noch nicht entschieden. Anfang der Woche fanden wichtige Vorwahlen in Pennsylvania statt, und da dort ein Großteil der arbeitenden Bevölkerung eher Arbeiter als Angestellte sind, hatten die PR-Teams aller Kandidaten die Idee, dass es doch prima wäre, die Zielgruppe dort zu addressieren, wo sie sich mit am liebsten aufhält: vor dem Fernseher, beim Wrestling gucken. Am Montag lief ein wichtiges Match zwischen irgendwem (Wrestling fand ich zuletzt mit 13 Jahren toll) und zwischendrin gab es dann also Videobotschaften für die Fans. Und die sind definitiv sehenwert, aus verschiedenen Gründen, aber dazu gleich mehr. Jetzt schaut doch erstmal:

Ich wollte eigentlich gleich meine Meinung dazu äußern, aber als ich Tina die Videos gezeigt habe, stellte sich schnell heraus, dass man eine sehr unterschiedliche Meinung zu den Auftritten der Kandidaten haben kann. Insofern machen wir das mal anders. Wir sagen später, was wir aus “amerikanischer” Sicht davon halten, aber zuerst würden uns mal eure Meinungen interessieren, also her mit den Kommentaren! Wir werden sie erst in 1-2 Tagen freischalten, damit niemand beeinflusst wird, und ich bin schon gespannt, wie unterschiedlich (oder eben gleich) die Auftritte gewirkt haben.

Artikel gespeichert unter: Allgemein, USA

bisher 9 Kommentare Eigenen Kommentar schreiben

  • 1. Jens  |  25.April 2008 at 10:00

    Ich muss leider konstatieren, dass Herr McCain am authentischsten rüberkommt. Im Hinblick auf die Zielgruppe hat er die Aufgabe m.E. am besten gelöst. Er polemisiert am besten, reduziert die Inhalte am meisten - und sitzt vor dem schönsten Hintergrund.

    Obama kommt mir leider zu gelackt daher. Und über Hillrod möchte ich lieber gar nicht reden.

  • 2. Feuervogel  |  25.April 2008 at 10:58

    Hallo … und ein schönes Wochenende!
    Sorry, aber zu diesem amerikanischen Wahlkampf sage ich lieber nichts, sonst müsste ich mich wieder aufregen. *zwinker*

  • 3. Ami  |  25.April 2008 at 13:19

    uff. ich finde obama am natürlichsten, alleine das lachen am schluss wirkt (! es wirkt zumindest so!) ziemlich natürlich, leider habe ich ihn als einzigen nicht so gut verstanden - den schnack am ende fand ich witzig.
    hillary hatte ein sehr seltsames halstuch an. das ist so ein halstuch in den farben dieser matroschka-puppen, die ich ziemlich hässlich finde….überhaupt sieht sie sehr mütterchenmässig aus, da passt dann auch wieder das halstuch, auch die sachen die sie sagt besser: wie sie es sagt….anbiedernd.
    mccain bräuchte eigentlich nur noch ein gewehr in der hand. das würde das ganze noch überzeugender machen.

    fazit: ich bin ein schlichtes gemüt, auf inhalte hab ich nicht so geachtet, ich würde obama wählen, wenn ich nur die drei spots zur meinungsbildung hätte:)

  • 4. chrisfan  |  26.April 2008 at 18:20

    was mich am amerikanischen und im speziellen demokratischen Wahlkampf so nervt: warum kämpfen da beide mit solchen oftmals schmutzigen Mitteln und Äußerungen gegeneinander, das kann doch nur schaden, statt das sie sich wie in Deutschland rechtzeitig auf einen Kandidaten einigen bekämpfen sie sich eher noch gegenseitig ( dazu hängen wohl Hillary als auch Barak zu sehr an der Macht)und vielleicht ist zum Schluß noch McCain der lachende Dritte, ich weiß allerdings nicht wie die amerikanischen Wähler diese Kämpfe sehen, nur als billige Belustigung oder hängt davon wirklich das Wahlergebnis ab?
    lassen wir uns überraschen, für mich ist das aber alles etwas zu viel Show
    und damit nun genug, wollte nur sagen das ich trotzdem auf ein weibliche nächste Präsidentin hoffe

  • 5. stadtfrau  |  28.April 2008 at 12:19

    :-D
    mal abgesehen davon, dass ich die videobotschaften alleine schon merkwürdig finde, kann ich jetzt verstehen, wieso obama so geliebt wird, der kam für mich sehr ungezwungen, natürlich und spontan rüber. wieso hat man clinton wohl dieses geschmacklose halstuch umgehängt? ;) als wäre sie gerade einer uramerikanischen küche entstiegen. ihre rede fand ich sehr aufgesetzt und bemüht originell. und bei john mccain wartete ich nur darauf, dass er sich das hemd zerreißt und drunter einen grellen wrestlinganzug trägt und losmarschiert in den kampf.

    ich weiß jetzt natürlich nicht, ob das stimmt, aber für mich wirkt vieles in der amerikanischen politik wie ein schauspiel, die spielen alle eine gewisse rolle und weichen je nach zielgruppe mal ein bisschen ab. nicht dass wir das hier in europa/österreich nicht auch hätten, aber der unterschied ist, wie professionell das in den usa gemacht wird, finde ich irgendwie gruselig.

  • 6. glausi  |  29.April 2008 at 11:22

    Je länger diese Demokraten-Rallye dauert, desto mehr erkennt man bei Frau Clinten eine hässliche Fratze, die Frau wird immer unsympathischer, da ist mir ja der Repubikaner-Cowboy mit seinen markigen Parolen mittlerweile lieber. Klarer Sieger bei Glausi ist Obama. Aber ich bin ja kein US-Wähler. Ich mein, die haben ja auch George W. zwei mal gewählt. ;-)

    Wie ist das denn so im US-Alltag, Wildings? Geht einem der Vorwahlkampf auf die Nerven, weil überall präsent oder eher nicht?

  • 7. Ami  |  29.April 2008 at 16:30

    zum update: du hast eine sehr kluge frau. die hat nämlich recht. und demnach ist obama draussen hillu äh hilli sowieso und mccain der superburschi.

    jetzt wissen wir, warum nina so klug ist:) das scheint sie von der mutter zu haben….sry markus

  • 8. stadtfrau  |  29.April 2008 at 19:36

    aber nehmen die amerikaner das einem nicht übel, wenn man sich je nach zielgruppe “verstellt”?

  • 9. Markus  |  01.Mai 2008 at 00:39

    @Glausi: Stimme voellig zu, zu Beginn fand ich Hillary auch am Sympathischsten, das hat sich aber zunehmend geaendert. Obama kommt nicht nur am Ehrlichsten rueber, ausserdem ist er politisch noch nicht voellig versaut. Oder schafft es zumindest ueberzeugend, diesen Eindruck zu erwecken *g*

    @Ami: Zumindest bei dieser Zielgruppe, hoffen wir mal, dass es im November anders aussieht. Auch wenn er der mit Abstand sympathischste republikanische Kandidat ist, vertritt er bei sehr vielen Dingen, die hier momentan falsch laufen (Irak, Gesundheitssystem, Immobilienkrise), die IMO falsche Meinung.

    @Stadtfrau: Ja, vieles ist ein Schauspiel, aber ist das inzwischen nicht ueberall so? Ich erinnere mich da z.B. an Frau Merkels Auftritt bei der Eroeffnung der Fussball-WM 2006, bei der sie versuchte, “locker” zu wirken, oder diverse Auftritte von preussischen CDU-Granden in bayrischen Bierzelten… Ich denke nicht, dass es Politikern uebel genommen wird, wenn sie sich auf die Zielgruppe einstellen, aber wenn es gekuenstelt und anbiedernd wird, dann schon eher.

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