Kundendienst vom Allerfeinsten

27.Januar 2008 Markus

Den Preis für den besten Kundendienst aller Zeiten hat sich hiermit die (übrigens auch sonst sehr empfehlenswerte) Firma Williams-Sonoma verdient. Und das kam so:

Ich bin nun wahrlich nicht der gebohrene Heimwerker. Eigentlich mehr so das genaue Gegenteil, womit ich ganz schön aus der Art schlage: fast alle Männer der Verwandtschaft sind beruflich irgendwie mit mehr oder weniger handwerklichen Dingen beschäftigt und wenn mein Vater nicht mindestens einmal im Jahr eine Sauna oder einen Wintergarten bauen oder mindestens 1-2 Räume im Haus komplett renovieren kann, wird er rastlos. Ich dagegen hatte, als ich von zu Hause ausgezogen war zunächst schon größte Schwierigkeiten, eine Lampe einzubauen… Inzwischen ist es zumindest ein bisschen besser geworden, ein großer Heimwerker wird aus mir aber sicher nicht mehr werden.

Möbel zusammenbauen konnte ich dagegen eigentlich schon immer relativ gut - wie mit Sicherheit die meisten Mitleser hier, bin ich durch jahrzehntelange IKEA-Erfahrungen gestählt. Wir versuchen zwar inzwischen nach Möglichkeit zu vermeiden, uns mit IKEA einzurichten (irgendwann ist ja auch mal gut), aber auch andere Firmen haben bekanntermaßen inzwischen gemerkt, dass sich vortrefflich Lagerplatz und Arbeiterlohn sparen lässt, indem man den Kunden selbst arbeiten lässt.

So eben auch Williams-Sonoma, neben Crate & Barrel und Pottery Barn einer unser Lieblingsläden, was Wohnungseinrichtung angeht. Zum ersten Mal überhaupt leben wir in einem Haus, das die Anschaffung eines Frühstückstisches erlaubt und nach langer Zeit sind wir vor kurzem endlich fündig geworden. Billig war er nicht gerade, aber wir werden ihn ja täglich benutzen und er soll ja auch ein bisschen halten. Geliefert wurde er in einem großen, schweren und natürlich flachen Karton. Das Zusammenbauen beschränkte sich allerdings glücklicherweise auf das Anmontieren der vier Füße, die wiederum von zwei Metallringen gestützt wurden. Kinderspiel. Für normal begabte Menschen jedenfalls. Ich wiederum schraubte nach einem kurzen Blick auf die Anleitung (die Betonung liegt auf “kurzen”) mit Begeisterung los. Beine mit jeweils zwei Schrauben an der Unterseite des Tisches befestigen, kein Problem. Fertig. Nächster Schritt: Stützringe mit jeweils vier Schrauben an den Beinen besfestigen, kein Prob… Moment. Die Schrauben sind ja viel zu kurz! Oh, habe ich wohl die Beine mit den falschen Schrauben anmontiert. Naja, ärgerlich, aber kein Problem. Beine wieder abschrauben, Schrauben austauschen, anschrauben, Ringe montieren, fertig. Begeistert, dass alles relativ problemlos gelaufen war, rief ich Tina, mit der ich dann den Tisch umdrehte, auf die Beine stellte… und zur Salzsäule erstarrte. Wie technisch begabte Menschen vermutlich schon seit einigen Sätzen wissen, hatten sich natürlich alle zu langen Schrauben sauber durch den Tisch gefräst und acht wunderschöne, ausgefranste Löcher fabriziert. Somit war der nagelneue Tisch komplett unbrauchbar. Hurra! Was tun? Reparieren war nicht möglich, immer eine Tischdecke zu verwenden war auch keine Option. Ein Blick auf den Beipackzettel verriet, dass es eine Kundendienst-Hotline und -Emailadresse gibt, aber was sollte das groß bringen? Schließlich war mehr als deutlich klar, dass ich den Tisch durch eigenes Verschulden ruiniert hatte. Ohne große Hoffnung auf Erfolg schrieb ich dennoch eine Email, in der ich das Problem schilderte. Das Einzige, was mir einfiel, um die Schuld zumindest ein kleines bisschen von mir abzuwälzen war die Anmerkung, dass die vorgefertigten Löcher zwar an den Seiten mit Metall ausgekleidet waren, damit man es mit dem Festschrauben einfacher hat, sie aber keine Blockierung hatten, um zu lange Schrauben am Durchbrechen zu hindern. Technisch begabte Menschen liegen mit Sicherheit schon lachend am Boden - ich weiß selbst, dass die Ausrede sehr billig ist, aber versuchen kann man es ja mal.

Tja, was soll ich sagen: keine 24 Stunden später kam eine Emailantwort, dass ich mich für weitere Details bei einer telefonischen Kundendiensthotline melden sollte. Dort entschuldigte sich der Mitarbeiter sehr für meine Unanehmlichkeiten mit ihrem Produkt (technisch begabte Menschen bekommen vermutlich langsam Atemnnot) und bat mich, den Tisch wieder auseinanderzubauen, in die Originalverpackung zu stecken und vor die Tür zu legen. Am nächsten Morgen kam UPS vorbei und nahm den Tisch mit. Die Lieferscheinnummer musste ich der Hotline mitteilen, die noch am selben Tag einen brandneuen Tisch verschickte, der gestern eintraf und seit wenigen Minuten fertig und korrekt zusammengebaut unsere Küche schmückt:

Innerhalb einer Woche wurde die Ware ausgetauscht, ich musste weder den Tisch noch eine Bearbeitungsgebühr bezahlen, selbst die zusätzlichen Lieferkosten wurden komplett übernommen. Ich bin derart begeistert, dass ich mir fest vorgenommen habe, zum ersten Mal in meinem Leben einen freundlichen Brief an eine Firma zu schreiben. Soviel Service muss einfach mal lobend erwähnt werden.

Und die Moral von der Geschicht’? Egal, wie dumm man sich hierzulande anstellt, man sollte zumindest fragen - die Mischung aus extremer Kundenfreundlichkeit und Servicegedanken sowie vermutlich der Sorge davor, wegen dem kleinsten technischen Mangel verklagt zu werden scheint schon fast zu garantieren, dass man sorgenfrei stümpern kann.

Artikel gespeichert unter: Allgemein, USA

bisher 3 Kommentare Eigenen Kommentar schreiben

  • 1. Benny M.  |  27.Januar 2008 at 09:42

    Tja Markus, da hast Du echt Glück gehabt. Aber du hättest es auch noch besser machen können und den Tisch mit den zu langen Schrauben am Boden festschrauben können. Der Service der Firma ist aber echt klasse. Da könnten sich in D einige Firmen was abschneiden.

  • 2. chrisfan  |  27.Januar 2008 at 13:17

    cool, bin wirklich begeistert, da kannst Du dich auch wirklich mal nett bedanken und ein paar leckere Bretzn an die Firma schicken,
    eigentlich lag mir noch ein Satz auf der Zunge der meistens im Zusammenhang mit Frauen und Technik gebraucht wird :-) )
    Bettina, ich glaube beim nächsten Mal solltest du die Oberaufsicht führen, dann passieren solche Mißgeschicke nicht
    schöne Grüße von einer immer wieder begeistert Mitlesenden

  • 3. Herr Kaliban  |  28.Januar 2008 at 23:14

    unfassbar. wirklich unfassbar. also die firma, nicht dein missgeschick, das hätte jedem passieren können.

Dein Kommentar

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu schreiben.

Trackback diesen Artikel  |  Kommentare als RSS Feed abonnieren


Kalender

September 2018
M D M D F S S
« Jun    
 12
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930

Aktuelle Artikel

Besucherzähler