Eine andere (Winter)welt

23.Januar 2008 Markus

In den bald 20 Jahren, die ich jetzt schon snowboarde (ja, ich werde alt) habe ich schon viele Skigebiete in Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien und Frankreich gesehen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen sind sich eigentlich alle sehr ähnlich. Hierzulande ist dagegen zwar nicht alles, aber doch sehr vieles anders. Das beginnt schon mit dem Ticketkauf bzw. den Tickets selbst. Ich bin es schon seit vielen Jahren gewöhnt, dass man nur noch eine Karte erhält, die man sich in die Jackentasche steckt und damit bei einem Drehkreuz automatisch die Schranke öffnet. Hier dagegen bekamen wir das Ticket als Aufkleber in die Hand gedrückt. Aufgrund unserer verdutzten Nachfrage, wie das genau funktionieren soll, drückte uns die freundliche Kartenverkäuferin einen wie ein langgezogenes Dreieck geformten Draht in die Hand. Dieser musste durch einen Reißverschluss gezogen und dann der Ticketaufkleber so darauf geklebt werden, dass dieser den Draht verschloss. Etwas schwierig zu erklären, ich hoffe es ist einigermaßen verständlich? Auf jeden Fall sollte durch diese technisch hochwertige Vorrichtung vermieden werden, dass man Mehrtageskarten untereinander austauscht (weswegen das Anbringen an Jacken auch gleich ganz untersagt ist). So ausgerüstet marschierten wir zur Gondel, wo wir von freundlichen… Kartenknipsern erwartet wurden. Kein Scherz, die Karten werden jeweils einmal am Tag gelocht und somit entwertet. Willkommen zurück im 20. Jahrhundert!

Ähnlich antiquiert präsentierten sich auch die Lifte - von der Startgondel mal abgesehen gibt es in Squaw Valley ausschließlich Sessellifte. Das wäre ja im Prinzip nicht weiter schlimm, nur besitzt keiner dieser Lifte Bügel, um die Füße abzulegen. Für Skifahrer mag das ja noch halbwegs in Ordnung sein, aber wenn man als Snowboarder zum Teil bis zu 10 Minuten mit einem doch ein paar Kilo wiegenden Snowboard an einem Bein baumelnd in einem ungepolsterten Sitz zubringen muss, dann ist das doch leicht unentspannt. Besonders lustig waren die ältern Zweiersessel, die gleich überhaupt keinen Bügel aufzuweisen hatten (also nicht einmal ein Bügel über den Schoß). Wenn man bei ordentlichem Wind in einem schwankenden Sessel ca. 20 Meter über dem Boden schwebt, wird einem durchaus auch mal ein wenig anders zumute. Offensichtlich haben die Amerikaner damit keinerlei Probleme, wir waren oft die Einzigen, die die Bügel überhaupt benutzten, selbst Familien mit Kinder fuhren frohgemut und nicht im Geringsten gesichert gen Gipfel. Wir haben uns wirklich gewundert, wie das im klagewütigen Amerika funktionieren kann… bis wir das Kleingedruckte auf den Tickets gelesen haben. Dort wurde uns mitgeteilt, dass wir mit dem Kauf der Karte ungefähr sämtliche Rechte aufgegeben hatten und selbst der Tod durch Absturz etc. mehr oder weniger immer unser eigenes Problem sei. Na dann.

Aber genug genörgelt, es gibt auch positive Unterschiede! Und nein, ich meine damit nicht nur die Burger für die Mittagspause. Absolut genial fand ich, wie das Gebiet aufgebaut war. Es mag eine Spezialität von Squaw sein, aber wenn man mal einen Blick auf die Karte wirft, fällt eines sofort auf: wo sind denn die Pisten? Die gibt es zwar, aber da das gesamte Gebiet sehr offen ist, bleibt es einem selbst überlassen, ob man auf einer der zahlreichen Pisten, im Tiefschnee dazwischen oder gleich in komplett ungespurten Bereichen (back country) fährt. Klar gibt es auch Bereiche, in die man wegen Lawinengefahr gar nicht fahren sollte, die sind dann aber auch speziell gekennzeichnet. Ansonsten ist Eigenverantwortung angesagt (siehe Ticketwarnung): wenn es irgendwo steil und felsig bergab geht, steht da nicht “Zugang verboten”, sondern “Cliff area - experts only”. Der Anfänger bleibt auf der Piste, für alle anderen gibt es kilometerweise Gelände zu erforschen, was an Tagen wie gestern, an denen es tonnenweise Neuschnee und dank Schneetreiben wenig Fahrer gab unfassbar schön war. Ich habe schon lange nicht mehr so viel Schwünge in absolut jungfräulichen Schnee gezogen… ich will zurück in die Berge!

Artikel gespeichert unter: Allgemein, Hobbies, USA, Urlaub

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