Die Hilfsbereitschaft in Person

15.Januar 2008 Tina

In Deutschland herrscht ja ein bisschen das Bild vom etwas oberflächlichen Amerikaner (wenn es beispielsweise um Freundschaften geht), der aber dafür meist sehr freundlich und hilfsbereit ist. Wie hilfsbereit so ein Amerikaner bzw. eine Amerikanerin sein kann, habe ich heute (mal wieder) erlebt:

Ich war mit Nina zu Fuß beim Supermarkt. Eigentlich waren wir in einem anderen Laden, wo ich nur was abgeben musste, aber dann wollte ich noch ein paar Besorgungen bei Safeway nebenan machen. Als ich so mit dem Kinderwagen an der Kasse steh und schon fast dran bin - meine ganzen Einkäufe natürlich schon auf dem Band - fällt mir ein, dass ich gar keinen Geldbeutel dabei hatte. Ich hatte so eine Umhängetasche, die ich normalerweise sonst nie benutze, und daher wohl auch den Geldbeutel vergessen. Bevor der Kassierer sich an mich wendete, drehte ich mich zu der Dame hinter mir um und meinte etwas beiläufig (weil ich es eigentlich eher zu mir selbst gesagt habe), dass ich meinen Geldbeutel zu Hause vergessen hätte, und fing an, die Sachen vom Band zu nehmen (die ich aber eh nicht alle hätte tragen können, und der Korb war schon weggeräumt). Daraufhin die Dame sofort, ohne nachzudenken: “Where do you live?” (Wo wohnst du?) Ich: “Only a few minutes away.” (Nur ein paar Minuten von hier.) Sie: “Why don’t you leave it here and I’ll pay for it and you can drop a cheque off at my house tomorrow.” (Warum lässt du die Sachen nicht da, ich bezahle und du bringst mir morgen einen Scheck vorbei.) Ich dachte, ich hör nicht richtig. Meine Einkäufe betrugen nämlich immerhin knapp 50 Dollar. Und so zahlte sie tatsächlich meine Sachen (weil sie es mir ersparen wollte, dass ich mit Kind dann noch mal los zum Einkaufen muss), ich nahm den Bon an mich wegen des Betrags und versprach ihr, dass Markus ihr morgen einen Scheck vorbeibringen würde, oder besser sogar heute noch (sie wohnte relativ ums Eck von Markus’ Büro). Wir haben es dann aber so gemacht, dass ich selbst noch mal losgefahren bin, als Markus zu Hause war, und ich habe ihr auch eine Packung deutsche Pralinen mitgebracht (und den Scheck haben wir auf $50 aufgerundet). Da hat sie sich sehr gefreut und mich vor lauter Dankbarkeit sogar noch umarmt. Sachen gibt’s.

Artikel gespeichert unter: Allgemein, Kalifornien

bisher 12 Kommentare Eigenen Kommentar schreiben

  • 1. soulsilence  |  15.Januar 2008 at 08:31

    Wow, das ist echt klasse! Sowas würde es in Deutschland NIE, aber wirklich NIEMALS geben.

  • 2. ich  |  15.Januar 2008 at 10:11

    Das finde ich außergewöhnich und großartig. Ich kann mir das in Deutschland nur schwer vorstellen. Vielleicht hat Nina mit ihrem Scharm mit dazu beigetragen. Aber auch wäre in unserem, nicht gerade kinderfreundlichen, Land nur schwer vorstellbar.
    Alle Achtung
    Schwapa

  • 3. Taschi  |  15.Januar 2008 at 12:19

    Also, das ist aber wirklich total nett! Das wäre dir hier ja echt im Leben nicht passiert …

  • 4. kero  |  15.Januar 2008 at 13:46

    Wuerde in Deutschland so wirklich nicht passieren. Die Frage ist nur warum nicht ;-) ?

  • 5. Susan  |  15.Januar 2008 at 23:11

    Wow. Das dürfte aber selbst in Amiland eher selten sein.

  • 6. Miriam  |  16.Januar 2008 at 17:39

    Du siehst halt so lieb aus. So eine Mischung von Bambi und Schneewittchen. Als ich dich das erste Mal sah wollte ich Dir auch gleich Geld schenken :)

  • 7. Tina  |  16.Januar 2008 at 22:45

    @Miri: Können wir nicht so tun, als kennen wir uns nicht, und uns neu begegnen? Aber vergiss nicht, vorher ein bisschen Geld in die Tasche zu stecken! Und Bambi und Schneewittchen? Das ist mal eine neue Variante (aber gefällt mir). Mir hat auch schon mal jemand gesagt, dass sie beim ersten Mal gedacht hat, dass ich aussehe wie Maria.

    Die Dame vom Supermarkt hat mir übrigens noch eine E-Mail geschrieben (ich hatte ihr mal vorsichtshalber meine Daten dagelassen) und sich für die Pralinen gedankt. Die ist echt mal nett.

  • 8. Christine Plecher  |  17.Januar 2008 at 02:56

    very cool! Amis sind einfach spitze!

  • 9. Miriam  |  17.Januar 2008 at 12:12

    Au ja, so machen wir das. Helena hat zu Weihnachten einen Kaufladen bekommen. Ich hab’ also ohne Ende Spielgeld:) Maria find ich auch sehr gut und Christkind passt ja auch;)

  • 10. Mama Schwaner  |  17.Januar 2008 at 21:23

    wow! du siehst wohl sehr zuverlässig aus :)

  • 11. Anne  |  18.Januar 2008 at 12:56

    Ich muss mal mein Heimatland in Schutz nehmen… von wegen, so was gäbe es in Deutschland nicht! Ich meine, wir SIND doch die Deutschen und da muss man eben selber mal anfangen. Wir sind mal mit unseren Kindern in einer Traditionsbahn gefahren und es stieg eine Oma mit ihrem Enkel zu. Die stellte dann fest, als der Schaffner kam, dass sie auch keine Börse dabei hatte. Das hat mir fast das Herz gebrochen, weil die beiden den Zug grade so erreicht hatten und der Kleine so strahlende Augen hatte. Also habe ich kurzum schnell bezahlt (ca. 20 Euro) und der Frau meine Kontoverbindung gegeben. Und in zwei Tagen hatte ich das Geld wieder auf meinem Konto. Und wir haben dabei beide eine große Freude gehabt.
    Mir hat auch schon hin und wiederjemand mit (allerdings kleinen) Beträgen ausgeholfen.

    Ich denke, wie es in den Wald reinschreit, so ruft es hinaus. Wenn man mal so einen Tag lang lächelnd durch die Stadt geht, man staunt, wieviele der “griesgrämigen Deutschen” zurückgrinsen!!
    Liebe Grüße aus Sachsen ;-) ))
    Anne

  • 12. Frau Kathy  |  20.Januar 2008 at 14:09

    also ich glaube auch, da kann man hier in deutschland noch so vertrauenswürdig aussehen. hier hätte man vielleicht froh sein können, wenn man keinen dummen spruch von wartenden kunden zu hören bekommen hätte.

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