Trick or Treat - oder: Unser erstes richtiges Halloween

08.November 2007 Tina

Auch wenn wir letztes Jahr zu Halloween bereits in den USA gelebt haben, so haben wir erst in diesem Jahr so richtig erfahren, wie Halloween hier gefeiert wird. Ein paar Tage zuvor bin ich mit Nina zu einem Spielplatz gegangen und auf dem Weg dorthin habe ich ein paar der am besten dekorierten Häuser fotografiert. Es war schon witzig, was die Leute zum Teil im Vorgarten stehen hatten. Seinen Ursprung hat das Fest Halloween übrigens wohl in Irland, wo die Menschen glaubten, dass am 31. Oktober die Toten zurückkommen und Krankheit über die Menschen bringen und die Ernte vernichten würden, weswegen die Menschen Feuer machten und Masken trugen, um sie zu vertreiben. Dieser Brauch wurde dann von den irischen Auswanderern nach Amerika gebracht und was im Laufe der Jahre daraus geworden ist, ist ja weitgehend bekannt. Diese Verbindung zum Totenreich ist jedenfalls der Grund, warum die Häuser, aber auch öffentliche Einrichtungen mit Themen aus dem Totenreich dekoriert sind. Die Kinder jedoch verkleiden sich mit den verschiedensten Kostümen, so gibt es nicht nur Vampire und Skelette, sondern auch Prinzessinen, Actionhelden, Tiere usw. Ein bisschen wie in Deutschland zu Fasching/Karneval (allerdings findet man hier keine Clowns). So haben die Kinder hier also an Halloween ihren Karneval, mit dem Unterschied, dass sie erst abends losziehen (die kleineren Kinder immer in Begleitung Erwachsener) und den Leuten, die die Tür aufmachen, ein lautes “Trick or Treat” (zu Deutsch etwa “Süßes oder Saures”) entgegen rufen. Der Sinn dahinter ist, wie ja sicher bekannt, dass die Kinder Süßigkeiten abstauben wollen, weswegen sie alle immer große Taschen und Tüten bei sich tragen. Sollte ihnen jemand jedoch Süßigkeiten verwehren, muss man damit rechnen, dass die Kinder sich einen Streich ausdenken. Doch das scheint in den USA nur Theorie zu sein. Wir haben die Nachbarn gefragt und die meinten, sie hätten noch nie von Kindern gehört, die tatsächlich etwas anstellen würden. In England scheint das anders abzulaufen. Emma und Matthias, die einige Zeit in London gelebt haben, hatten da andere Geschichten zu erzählen, die weniger nett klangen. Bei uns waren aber alle Kinder ganz lieb und wirklich höflich. Wir hatten aber auch genug Candy, nach zweimaligem Aufstocken jedenfalls.
Ich war ein paar Tage vor Halloween bei Safeway einkaufen und habe ein paar Tüten Süßigkeiten nach Hause gekarrt, von denen ich dachte, dass die wohl langen würden. Doch nachdem keine fünf Minuten nach Anbruch der Dunkelheit bereits die erste Welle an Kindern unseren Süßigkeitenvorrat um einen beachtlichen Teil hat schrumpfen lassen, ist Markus schnell noch mal los. Der Safeway liegt ja zum Glück nur einen Katzensprung entfernt. Nun waren wir gut gerüstet. Dachten wir. Es hörte einfach nicht auf zu klingeln. Vor uns standen kleine Prinzessinen, Spider-Men, Marienkäfer, Buzz Lightyears, Skelette, Vampire, Kürbisse (doch keiner so süß wie Nina!) und und und … Es nahm einfach kein Ende. Da wir uns nicht ausmalen wollten, was passieren würde, wenn wir als einziges Haus kein Candy mehr hätten, düste Markus ein zweites Mal los. Ich ging in den Treat or Treat-Pausen ein bisschen mit Nina als Kürbis auf dem Arm auf die Straße, wo ich auch unsere Nachbarn alle traf sowie sämtliche andere Leute, die aus allen Ecken zu kriechen schienen. Einige Erwachsene waren ebenfalls verkleidet und ich konnte feststellen, dass es entweder an Halloween lag, oder aber es in unserem County wohl nicht verboten ist, Alkohol offen auf der Straße zu trinken. Unsere Nachbarn erzählten von einer Party oben am Hügel, zu der sie gehen würden. Da Nina aber just an dem Abend schon sehr früh sehr müde war, habe ich Markus alleine hochgeschickt, da ich dachte, es könne nicht schaden, wenn er da mal vorbeischaut. Ein Fehler, wie ich sehr bald feststellen musste. Während ich versucht habe, Nina zu wickeln und umzuziehen und ihr die Milch zu geben, hat es ununterbrochen geklingelt und ich musste jedesmal vom ersten Stock nach unten wetzen, mal mit, mal ohne Nina, je nachdem in welcher An-/Um-/Ausziehphase wir uns gerade befanden. Als ich ihr die Milch geben wollte, habe ich mich einfach auf einen Stuhl an die Haustüre gesetzt und diese einen Spalt offen gelassen. Wenn jemand geklingelt hätte, hätte ich einfach gerufen, sie sollen die Tür aufmachen und sich selbst aus dem Süßigkeitentopf bedienen, der bereit stand. Doch genau in diesen fünf Minuten kam zum Glück niemand, so dass Nina in Ruhe trinken konnte. Markus kam dann aber auch bald wieder und 26 leere Süßigkeitentüten später war der Spuk dann auch vorbei und wir waren beide geschafft, aber sehr zufrieden (ein Kind meinte sogar “Oh wow, you got all the good stuff!” (Oh toll, ihr habt all die guten Sachen!”).
Mein persönliches Fazit ist: In den USA, wo an diesem Tag kein anderes Fest begangen wird (wie im Gegensatz zu Deutschland beispielsweise), ist das ein richtig nettes Fest für die Kinder, die wirklich einen Riesenspaß haben, und auch für die Erwachsenen ist es sehr nett. Und wer nicht mitmachen möchte (es mag ja auch nicht jeder Geld in Süßigkeiten investieren), der kann einfach ein Schild an die Haustür machen, dass es dort kein Candy gibt, und dann wird dort auch nicht geklingelt. Die meisten Häuser, in denen es etwas zu holen gibt, machen eh durch leuchtende Kürbisse oder andere Deko auf sich aufmerksam, wie ihr in unserer Halloween-Galerie sehen könnt.
Überraschenderweise wirkt Halloween hier im Land des Konsums übrigens gar nicht mal so kommerziell, man sieht zwar viele Süßigkeiten in den Lebensmittelläden, aber nach richtiger Deko abgesehen von ein paar Standardsachen muss man schon fast suchen. Was ich so gehört habe, wirkt es in Deutschland schon eher kommerziell, wahrscheinlich weil es doch noch nicht so bekannt ist wie hier. Egal, momentan sind wir hier und fürs nächste Jahr sind wir jetzt jedenfalls gewarnt, was die Menge an Süßigkeiten betrifft, die wir so auf Lager haben sollten, wenn es wieder heißt: Trick or Treat!

Artikel gespeichert unter: Allgemein, USA, Kalifornien

bisher 5 Kommentare Eigenen Kommentar schreiben

  • 1. chrisfan  |  08.November 2007 at 19:51

    ich kann mir gut vorstellen das es in Manhattan einfach nicht so funktioniert mit dem Trick or Treat, dort gibt es ja nur Appartementhäuser, und welches Kind geht schon dahin um Süßigkeiten zu sammeln, hier wo ich wohne kommen die Kinder auch nur in Eigenheimgebieten zum Naschwerk sammeln, ich selbst wohne auch in einem Mehrfamilienhaus, da kommt niemand, obwohl ich jedes Jahr ein paar Kleinigkeiten kaufe - “just in case” - muß ich diese dann doch wieder allein vertilgen :-( ((

  • 2. nuufirella  |  09.November 2007 at 13:50

    Sehr nette Bilder - hier bei uns in der Straße kamen gar keine Kinder, aber in diesem Jahr habe ich zum ersten Mal in der Stadt Kinder laufen sehen - doll verkleidet waren sie zwar nicht und ich vermute auch, dass sie nicht viel Beute gemacht haben. Aber es scheint hier immer mehr zu werden.

  • 3. Miriam  |  09.November 2007 at 16:33

    Bei uns hat es dieses Jahr auch ganze 3 x geklingelt und ich hab gar nicht daran gedacht und fast nix Süßes da gehabt. Sie mussten sich dann mit Müsliriegelen zufrieden geben. Ist ja auch eigentlich in Deutschland nicht so üblich. Die Kinder waren aber auch alle sehr lieb. 2 Mädels haben auch ein englischen Halloweensong gesunden und Helena hat den Rest der Woche ständig “Saures oder Süßes” gebrüllt!

  • 4. Sven  |  11.November 2007 at 04:06

    … meine Freundin hat auf St. Pauli ein leeres Gurkenglas vor ihrer Wohnungstür gefunden, nur weil sie es gewagt hatte, in den “Halloween-Stunden” nicht zu Hause zu sein. Also gab es Saures.

  • 5. schocan  |  11.November 2007 at 18:32

    ich finde diesen Halloween-Kult ja absolut überflüssig, aber wenn es so friedlich und kontrolliert abläuft wie von Dir beschrieben, dann kann man sich ja ohne Sorge da raus halten.
    Hier gab es ja die ein oder anderen Ausschreitungen, das finde ich einfach total daneben!

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