Officer Friendly

28.März 2007 Markus

Nun haben wir also auch unseren ersten Kontakt mit der NYPD hinter uns - und einen kostspieligen noch dazu. Am Sonntag waren wir samt Nina im Kinderwagen in der Subway unterwegs. Wie ja allgemein bekannt sein dürfte, ist schwarzfahren hier ein relativ kleines Problem, da jeder durch ein Drehkreuz muss, das sich nur bewegt, nachdem man seine Karte durch einen Schlitz gezogen hat. Nun ist es natürlich nicht möglich, einen Kinderwagen durch diese Konstruktion zu manövrieren, weswegen es für solche und ähnliche Fälle spezielle Türen gibt. Dazu muss man nur der Person im örtlichen Kabuff Bescheid sagen. Ja, jeder einzelne Subwayzugang hat ein eigenes Kammerl, in der eine Person sitzt, die Auskunft gibt, Karten verkauft oder eben die Tür öffnet.

Nun haben manche dieser Türen einen eigenen Kartenschlitz, manche auch nicht. Keine Ahnung warum und eigentlich ist mir das auch egal, da ich ohnehin eine Monatskarte besitze. Insofern habe ich auch dieses Mal dem Onkel im Kabuff meine Karte vor die Nase gehalten, worauf er mir ein Zeichen gab, dass die Tür jetzt offen sei. Wir also durch und ab in Richtung Ubahn. Weit kamen wir allerdings nicht, nach wenigen Schritten winkte uns ein gut gebauter Polizist zu sich und begann mit einer ausführlichen Befragung. Wie lange wir denn schon in New York wohnen, warum wir denn nicht wüssten, dass man erst die Karte an einem Drehkreuz durchziehen muss, dann aber nicht durchgehen darf sondern die Tür benutzt, warum wir keinen Ausweis haben, der unsere New Yorker Adresse anzeigt, und so weiter und so fort. Es war definitiv eine seltsame Situation: einerseits war er sehr nett, machte immer wieder Scherze (”Ich muss hier viele Tickets verteilen, sonst kann ich meinen nächsten Urlaub vergessen, haha!”) und erklärte uns ausführlich, warum es denn jetzt falsch war, was wir gemacht hatten, andererseits hat ihn die Tatsache, dass wir offensichtlich Ausländer sind, ich offensichtlich eine Monatskarte habe und wir mit Sicherheit keine absichtlichen Betrüger oder Kriminellen sind nicht im Geringsten interessiert. Somit wanderten wir mit einem Strafzettel über satte $60 nach Hause und haben außerdem dazu gelernt, dass man, wenn man von einem Polizisten in New York aufgehalten wird und seine derzeitige Adresse nicht angeben kann, theoretisch erstmal eingelocht werden kann.

Mir sind im Verlauf des Gesprächs immer wieder mal Gegenargumente eingefallen, aber wer diskutiert schon gern mit der New Yorker Polizei? Ich habe einmal den dezenten Hinweis auf unser süßes, in New York geborenes Baby versucht, was aber nicht so wirklich gezogen hat. Und der Kollege, der dann letztendlich das Ticket ausgefüllt hat, hat mir nach einem Blick auf meine Visitenkarte einen kurzen Vortrag darüber gehalten, dass unsere Sportspiele viel besser als die von der Konkurrenz sind - aber auch das hat nichts geholfen. Die NYPD benötigt anscheinend dringend ihren Urlaub.

Artikel gespeichert unter: Allgemein, New York

bisher 5 Kommentare Eigenen Kommentar schreiben

  • 1. Tina  |  28.März 2007 at 03:56

    Ich fand den Officer ja nur scheinfreundlich. Denn eigentlich war sein Argument, dass der Mann im Kabuff ja nicht wüsste, dass Markus eine unbegrenzte Karte besitzt, ja irgendwie lächerlich (ist ja dann das Problem von dem Kabuffmann, wenn er nicht nachfragt), aber wir haben uns nicht getraut, dagegen anzuwettern. Wenn sich so ein NYer Polizist vor einem aufbaut, ist man plötzlich ganz schön klein … Außerdem hat der alte Officer sein nächstes Opfer ewig warten lassen, weil er lieber mit einem Mädel, das ungefähr ein Drittel so alt war wie er, aber eine Oberweite besaß, die bis nach Brooklyn reichte, flirten wollte. Nee, nee, so nett war der nicht …

  • 2. Froschi  |  28.März 2007 at 10:12

    Hättest du nicht mit »Hier haben Sie unser aktuelles Sportsortiment, viel Spaß damit!« argumentieren können? Ach nee, das hätte vermutlich sofort sieben bis neun Kugeln wegen Bestechung gesetzt…

  • 3. Susan  |  28.März 2007 at 11:15

    Versteh ich jetzt nicht. Bekommt man jetzt schon Tickets dafür, daß man eine gültige Karte hat? Ich glaube, ich lese besser noch mal. Hört sich auf jeden Fall irgendwie unlogisch an. Und nicht so nett.

  • 4. Häkeln  |  28.März 2007 at 15:50

    @Tina: nur um mal eine Vorstellung der Dimensionen in NY zu bekommen, wie weit ist es denn von der Subway Station bis nach Broolyn?! *scnr* :)

  • 5. Tina  |  28.März 2007 at 15:56

    Weit, seeehr weit! ;-)

Dein Kommentar

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu schreiben.

Trackback diesen Artikel  |  Kommentare als RSS Feed abonnieren


Kalender

August 2018
M D M D F S S
« Jun    
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
2728293031  

Aktuelle Artikel

Besucherzähler