Nackte Kerle (300 Stück)

15.März 2007 Markus

Selten hat mich ein Trailer derart fasziniert wie der von 300 - ähnlich wie bei Sin City ist es weniger der Inhalt, sondern mehr der einzigartige Stil, der den Film interessant macht. Und jede Menge Kämpfe in historischem Setting (na gut, “angelehnt an ein historisches Setting” trifft es wohl besser) sind ja auch nicht gerade übel. Ganz kurz zur Story: da sich der korrupte Ältestenrat und der lasche Senat nicht überwinden können, gegen die in Griechenland einrückende riesige Armee des persischen König Xerxes anzutreten, nimmt König Leonidas von Sparta das Heft kurzerhand selbst in die Hand und zieht mit 300 seiner besten Soldaten in seinen unvermeidlichen Untergang.

Die Technik überzeugt auf jeden Fall - auch wenn es keine richtig, richtig teure Produktion a la Herr der Ringe ist, können sich die CGI-Spezialisten und Animationskünstler auf die Schultern klopfen: Mission erfüllt, der Stil des Films ist faszinierend, neuartig und einzigartig. Wenn da nur nicht die Schauspieler wären… Da jeder der Spartaner aussieht wie Arnie in seinen besten Zeiten, konnte Regisseur Zack Snyder möglicherweise nicht einfach auf normale Schauspieler zurückgreifen und hat sich deshalb im örtlichen Fitnesscenter bedient - und da sich die Dialoge meist auf markige One-Liner und/oder wüstes Geschrei beschränken, ist das auch gar nicht mal sooo schlimm. Nur blöd, dass auch die einzig erwähnenswerte Dame (Leonidas’ Frau Gorgo, gespielt von Lena Headey) auch nicht gerade überzeugt. Wenn sie leicht bekleidet böse schaut, geht es ja noch, aber ihre Blut & Tränen-Rede vor dem Senat (”Freedom is not free” und so) sollte mit Sicherheit packend und bewegend wirken - nicht hölzern und albern.

Aber wer sich 300 wegen der Dialoge ansieht, macht ohnehin was falsch. Wie gesagt, der visuelle Eindruck ist überzeugend, die Kämpfe sind gut geschnitten, die Action ist deftig, die Sprüche markig und heroisch (und manchmal zugegebenermaßen arg pathetisch), der Soundtrack bombastisch… Popcornkino vom Feinsten, oder wie es in einem Review so treffend zu lesen stand “Action porn. Boys, regardless of age and gender, will love it.”
Soviel zum Film, aber a propos Reviews: die Diskussion um den Film in den Medien ist fast interessanter als der Film selbst. Da gibt es Leute, die der Meinung sind, dass der Film eine Parabel auf die USA der heutigen Zeit ist. Der tapfere Westen verteidigt sich gegen die einfallenden Horden des Orients und so. Andere dagegen sehen die Sache genau umgekehrt: der zumindest im Film grotesk geschminkt und geschmückte und sich selbst als Gott bezeichnende Xerxes repräsentiere mit seinem dekadenten Hofstaat und arroganten Weltherrschaftsphantasien eindeutig Präsident Bush und die USA.
Leute: dieser Film beruht auf einem (sehr empfehlenswerten und nahezu 1:1 umgesetzten) Comic von Frank Miller aus dem Jahre 1998, Jahre vor dem 11. September und den darauf folgenden Konsequenzen. Dieser Comic wiederum  basiert auf den historischen Begebenheiten der Schlacht bei den Thermopylen. Klar kann man Parallelen zur heutigen Zeit ziehen, aber das kann man vermutlich auch mit Ben Hur, Casablanca und Lawrence von Arabien. Mag sein, dass ich naiv bin, aber manchmal wäre es vielleicht besser, wenn man nicht krampfhaft versucht, in jede Szene gerade eines solchen Filmes alles Mögliche hineinzuinterpretieren und sich stattdessen vielleicht einfach noch eine Handvoll Popcorn zu genehmigen. Ich habe mich jedenfalls nicht propagandistisch beeinflusst gefühlt, weder von der einen, noch von der anderen Seite. Aber ich habe in der zweiten Reihe ja auch nicht alles mitbekommen, das wird es wohl gewesen sein.

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bisher 8 Kommentare Eigenen Kommentar schreiben

  • 1. Ami  |  15.März 2007 at 10:27

    das ist der film, anhand dessen das magazin “spiegel-kultur” die subtile homosexualität in comics aufzeigen wollte. als weitere beispiele wurden spiderman und superman aufgeführt.
    ich jedenfalls war äusserst angetan von den gut gebauten männern:) und wenn ich mal endlich einen babysitter finde, dann werde ich auch mit dem liebsten in diesen film gehen!

  • 2. Harley  |  15.März 2007 at 17:57

    Eine Parabel? Kann es sein, dass die US-Amerikaner ein klein wenig zur Rundum-Paranoia neigen? ;-)
    Was man so alles in jedwedes Ereignis (wie einen Film) hineingeheimnissen kann.
    Die Schlacht bei den Thermopylen ist ja dann wohl sicher ein feinsinniger Bezug der alten Griechen auf den Klimawandel; da wedelt doch “Thermo” geradezu als morscher Zaunpfahl. ;-)
    Nicht zu vergessen die Perser… ;-)

  • 3. Susan  |  16.März 2007 at 04:02

    tjaja, wenn Eierköpfe mal wieder besonders klug sein wollen ;-)
    Mit Interpretierwut kenne ich mich aus, das wird in der Kunstgeschichte und Germanistik manchmal reichlichst überstrapaziert. So zeigt Rembrandts Nachtwache die Einheit mit dem All. Welche Einheit gemeint ist, wird verschwiegen. Ist aber auch völlig egal. Es gibt eben Leute, die meinen, zu allem ihren Senf dazu geben zu müssen - je schlauer, dramatischer (theatralischer?) und paranoider man klingt, desto besser.
    Mir reicht es zu wissen, daß 300 ein Film mit kernigen Kerlen in Sandalen ist, mit Kämpfen, schönen Frauen und was eben sonst noch dazu gehört. Wenn ich unbedingt was Philosophisches haben will, setze ich mich nicht ins Kino, sondern in ein Philosophieseminar. Und zur Interpretationswut empfehle ich Susan Sontags Against Interpretation
    Schönen Gruß aus Down Under

  • 4. Ami  |  17.März 2007 at 09:07

    es ist aber schon klar, dass das nicht meine interpretation ist, oder? nur zur sicherheit sei das hier nochma gesacht:) und danke für den susan sontag-tip, ich denke, das buch werde ich mal lesen…

  • 5. Thomas H.  |  17.März 2007 at 13:46

    Wieso sollten Interpretationen nicht zulässig sein? Ist doch mehr als erlaubt, die Ideologie hinter einem solchen Schlachtspektakel zu hinterfragen, selbst wenn oder vielleicht gerade wenn es ungemein unterhaltsam und technisch perfekt inszeniert worden ist.

    Die Umsetzung ist aber eben nur «nahezu 1:1». Die Rede von Königin Gorgo über die Freiheit und die Opfer, die dafür erbracht werden müssen, stammt nämlich nicht aus der Vorlage von Frank Miller. In Millers Fassung finden sich keine Politiker, die die Entsendung von zusätzlichen Truppen verhindern wollen. Aber irgendwie kommt mir diese Situation doch sehr bekannt vor…?

  • 6. Markus  |  17.März 2007 at 15:20

    Hey, endlich mal ein kritischer Kommentar, ich dachte schon, da kommt gar nichts mehr! Also dann…

    Mal überlegen: Gordo ist die Frau des Königs, der mit einer hoffnungslos unterlegenen Truppe einem riesigen Heer von Invasoren (!) gegenübersteht, gegen die er mit Sicherheit untergehen wird, wenn sich die untereinander zerstrittenen Staaten Griechenlands nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen (das ist übrigens die korrekte historische Darstellung, keine Konstruktion des Regisseurs, siehe “Erste Schlacht bei den Thermopylen” bei Wikipedia). Was soll sie in dieser Situation tun? Auf den Leichnam ihres Mannes warten oder versuchen, ihren Einfluss als Königin im Senat geltend zu machen? Zudem ist es ja auch nicht so, dass nach ihrer Rede alle begeistert aufspringen und in den Krieg ziehen wollen (kein Wunder bei der schauspielerischen Leistung *g*), das Blatt wendet sich erst, als bekannt wird, dass ein einflussreiches Mitglieds des Senat von Xerxes gekauft wurde.

    Ich bin der Meinung, dass die Nebengeschichte um Gorgo eingebaut wurde, um ein bisschen Weiblichkeit zu den ganzen heroischen Kerlen zu gesellen, das war bei Herr der Ringe nicht anders (Arwen taucht in der Romanvorlage nur sehr, sehr am Rande auf). Und Blut, Schweiß und Tränen-Reden gehören zu dieser Art Film IMO doch schon fast als gegeben dazu - spontan fällt mir Braveheart ein.

  • 7. Thomas H.  |  18.März 2007 at 11:38

    Dann füge ich doch noch einige Gedanken hinzu. Es mag viele Gründe geben, weshalb die Filmemacher die Rolle der Gorgo ausgebaut haben; die Parallelen zur gescheiterten Politik von Bush wird dadurch nur noch deutlicher.

    Grundsätzlich deckt sich die Weltsicht der Regierung Bush nämlich ziemlich exakt mit derjenigen von Leonidas und seiner Gattin, sprich Miller und Snyder (und das war schon vor 9/11 so): untreue Bündnispartner (Athener, Thebaner, Korinther etc. bei den Griechen – obschon diese Staaten entgegen der Darstellung von Miller beträchtliche Truppenkontingente entsandt hatten; Franzosen, Deutsche, Brasilianer bei Bush), die Bedrohung einer Invasion durch Barbaren (Riesenarmee der Perser bzw. imaginäre Atomwaffen der Perser) und innere Widerstände gegen die Kriegspolitik (Theron bei Snyder; der unterdessen demokratische Senat in den USA).

    Ich bin von der Machart und Inszenierung des Films grösstenteils begeistert, das hindert mich aber nicht daran, über die Ideologie dahinter entsetzt zu sein.

  • 8. Rymzn  |  22.April 2007 at 20:44

    Ich muss sagen, das dieser film es mir sehr angetan hat.
    genauso wie Troja, Alexander, Königreich der Himmel und Braveheart. Aber ich verstehe nicht diese Interpretier Kunst der Ami oder der restlichen Welt, denn es geschah vor Christus und die Moslem haben geschrien es sei gegen den Koran. Die Iraner schreien los, es seien ihre Vorfahren, obwolh die heutigen Perser im Iran nichts zusagen haben. Und dieses ganze mit der USA Politik, und es wurde auch gesagt das man 300 mit den nazis vergliechen hatte. Ziemlich blöde wie ich finde, denn vor Christus und auch fast 2 jahrtausende danach kannte man sowas nicht ( Nazis und US Politik ) und dann wird gesagt es währe daran angelehnt ? Zack Snyder hätte den Zeitpunkt vielleicht anders wählen sollen, keine frage, aber der Film explodiert in deinen Augen, rüttelt deinen Körper durch und drängt aus deinen Körper hinaus das du mitschreits und kämpfen willst. Als Leonidas “This is Sparta” geschrien hat, ist mir die luft weggeblieben und ich hätte gleich mitmachen können, es ist nicht barbarisch gemeint. Er wurde geboren als Junge, er wurde zum König gemacht und starb als Held. Sagt mir wo haben wir das noch? In der USA? niemals. Dieser Blog mit seiner Königin ist wirklich erst am ende eingefügt worden, weil er sollte menschlicher rüberkommen und es erklären warum niemand mitihnen gekämpft hat. Und zu der Sache das alle so Spartaner so aufgepumpt wirken, is kla, wer will einen dicken bauch sehen wenn man nur Muskelmänner im Kopf hat wenn man an Schlachten aus der Antike kennt?? In meinen 19jahren als Mann, habe ich noch nie einem Film gesehen der die Welt so zerreist wie diesen hier. 300 ist und bleibt ein Film für die ewigkeit, genau wie Leonidas. Ō xein’, angellein Lakedaimoniois hoti tēde | keimetha tois keinōn rhēmasi peithomenoi. Sise elefteri pethene me perifani

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