Haunted von Chuck Palahniuk

18.November 2006 Markus

haunted.jpgAh, der gute Chuck. Autor eines Buches, dessen Umsetzung einer meiner absoluten Lieblingsfilme ist. Auch sein zweiter Roman Choke ist fantastisch und so wunderbar zynisch-lustig-schockierend wie Fight Club. Haunted schlaegt in dieselbe Kerbe - nur hat es der Gute meiner Meinung nach nun ein wenig uebertrieben. Eine Gruppe von Moechtegernautoren meldet sich auf eine Anzeige, die einen dreimonatigen Schreibkurs in absoluter Abgeschiedenheit verspricht (hey, dass waere vielleicht was fuer Naomi Novik gewesen!). Dummerweise enden sie alle eingesperrt in einem alten Theater und stellen nach einer Weile fest, dass sie unfreiwillig Hauptdarsteller in einer Art Survival-Reality-Show sind. Soweit, so nicht unspannend und der Stil, in der das Buch geschrieben ist, ist erfrischend anders - alle paar Seiten wird die Handlung weitererzaehlt, bevor ein zweiseitiges Gedicht einen der Autoren vorstellt, bevor eine Kurzgeschichte folgt. Diese Kurzgeschichten sind von den jeweiligen Autoren verfasst und Palahniuk bringt das Kunststueck fertig, dass die meisten Geschichten auch tatsaechlich ganz unterschiedlichen Schreibstil aufweisen. Das Buch hat meiner Meinung nach nur zwei Probleme: zum Anderen sind die Geschichten schon fast ein wenig uebertrieben krass und zwar zu einem Grad, wo ich das Gefuehl hatte, dass es dem Autor nur darum ging, Rezensionskommentare wie diesen zu bekommen: “Reading a Palahniuk novel is like getting zipped inside a boxer’s heavy bag while the author goes to work on you, pounding you until there is nothing left but a big bag of bones and blood and pain.” - The Miami Herald. 1a PR, muss ich neidlos anerkennen, aber manchmal ist es einfach ein bisschen zuviel des Guten. Zum Anderen wird die Hauptgeschichte, die eigentlich der rote Faden sein sollte, zunehmend wirr und zusammenhangslos, so dass ich im letzten Drittel schon fast soweit war, zur naechsten Kurzgeschichte vorzublaettern. Oh, ich vergass: wirr, zusammenhanglos und unrealistisch. Mir ist schon klar, dass die Geschichte zeigen soll, zu was Menschen faehig sind, um ihre 15 Minuten Ruhm zu bekommen, aber was gegen Ende in Haunted abgeht, ist einfach zu uebertrieben, um noch irgendwie nachvollziehbar zu sein. Insgesamt sicher das Beste der drei Buecher, da es fuer jeden, der sich fuer moderne Literatur interessiert allein schon vom Schreibstil interessant sein sollte und viele der Kurzgeschichten auch wirklich gut geraten sind - aber nach Fight Club und Choke war ich trotzdem leicht enttaeuscht.

Artikel gespeichert unter: Bücher

Dein Kommentar

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu schreiben.

Trackback diesen Artikel  |  Kommentare als RSS Feed abonnieren


Kalender

September 2018
M D M D F S S
« Jun    
 12
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930

Aktuelle Artikel

Besucherzähler