Wohnungssuche, Teil 2

16.Mai 2006 Tina

Fortsetzung von Teil 1 (siehe unten)

Wie sich herausgestellt hatte, hatte uns Jessica aber missverstanden und nur an der Upper West Side nach Wohnungen gesucht. Dass wir auch an der Upper East Side Interesse haetten, war irgendwie untergegangen. Sie hatte sich nachmittags dann aber gleich drangemacht und unsere Kriterien durch ein Raster laufen lassen. Direkt nach unserem Abendtermin an der Upper West Side bekamen wir die Nachricht, dass wir uns spontan noch zwei Wohnungen an der Upper East Side angucken koennten. Die eine Wohnung war noch bewohnt, die andere stand schon leer.

Die erste Wohnung an der Upper East Side hatte eine nette kleine Lobby, die gerade komplett renoviert wird. Auch die Aufzuege werden demnaechst ausgetauscht, obwohl weder Lobby noch Aufzuege besonders alt oder haesslich aussahen. Aber ist ja ein ganz gutes Zeichen, wenn so darauf geachtet wird, dass ein Haus schoen bleibt. Unten war dann auch gleich neben dem Aufzug der Waschraum. Die meisten Wohnungen in Manhattan haben keinen Platz fuer eine Waschmaschine, aber dafuer gibt es immer Waschraeume mit Trocknern und viele NYer geben ihre Waesche in die Waescherei bzw. lassen sie abholen und wieder bringen. Das klingt nach totalem Luxus, ist hier aber ueberhaupt nichts Besonderes, machen wirklich sehr viele Leute und ist auch entsprechend guenstiger, als man sich das so vorstellt. Der Flur oben war auch schoen, mit Teppich, aber alles sehr gut erhalten und richtig nett. In der Wohnung wohnt derzeit noch eine Kalifornierin mit ihrem kleinen Sohn und einer sehr suessen gepflegten Katze und ihre Mutter war gerade auch da, als wir kamen. Die Frau hatte zuvor in einem zweistoeckigen Haus gewohnt, hatte also dementsprechend viele Sachen, und zieht jetzt nach Denver. Die Wohung hat uns auf Anhieb total super gefallen. Es fing an mit dem Flur, der einen riesengrossen, in die Wand integrierten Schrank (sprich, ein “Closet”) enthielt, der natuerlich in der Wohnung bleibt und Stauraum ohne Ende bietet. Das Schlafzimmer war riesig, ebenfalls mit einer kompletten, eingebauten Schrankwand und einem schoenen Blick ins Freie. Das dritte Zimmer, war bei ihr das Kinderzimmer, war auch echt gross und ebenfalls mit einem Einbauschrank. Und auch das Wohnzimmer war richtig gross und - das war fast das beste - mit insgesamt 5 Fenstern (drei an der einen und zwei an der anderen Seite) mit Blick ueber den Fluss und eine schoene Bruecke. Den Blick hatte man auch aus dem Kinderzimmer (das hatte allerdings nur ein Fenster, was aber auch ausreichte) und von der Kueche aus sieht man ebenfalls den Fluss. Die Kueche ist zwar an zwei Seiten offen, aber ansonsten schon ein extra Raum. Nicht riesengross, aber gross genug mit viel Stauraum. Zwei Nachteile gibt es an der Wohung: 1. sie hat keinen Balkon oder Garten, dafuer aber eine Dachterrasse, auf die man allerdings erst im Sommer kann und die glaube ich auch nicht soo super ist. 2. Am Fluss entlang fuehrt ein Freeway, sprich, man hoert immer etwas vom Verkehr, allerdings ist das in Manhattan ueberall so und die Fenster sind schon ziemlich schallgeschuetzt. Wir sind heute Morgen extra noch mal hin, um noch mal auf den Verkehr zu achten (in der Wohnung) und auch wenn es natuerlich in Solln leiser ist, war der Verkehr nicht wirklich schlimm. Der “Vorteil” am Freeway gegenueber dem Verkehr, den man sonst so haette, ist, dass es kein Gehupe und auch keine Sirenen gibt, weil die Autos ungestoert fahren. Und gehupt oder sirent wird auf allen anderen Strassen wirklich sehr viel. Und abgesehen von dem Freeway ist die Gegend an sich sehr verkehrsentlastet, also sehr ruhig. Die Mutter der momentanen Bewohnerin schlaeft sogar immer bei offenem Fenster und normal macht das in NY eh niemand, weil es hier ja immer Ventilatoren gibt und New Yorker ihre Fenster eigentlich nie oeffnen. Klar ist es ein kleines Manko, allerdings ist es weit nicht so schlimm wie ich es mir von den Fotos auf der Website, die wir noch vor der Besichtigung gesehen hatten, vorgestellt haette. Liegt vielleicht aber auch daran, dass die Wohnung im 7. Stock liegt (von 8 Stockwerken) und man den Verkehr oben einfach nicht mehr so stark hoert. Direkt gegenueber der Wohnung ist ein kleiner Park und ca. 5 Minuten weiter noerdlich ist ein weiterer, der sehr schoen ist. Und den Central Park kann man in ca. 15 - 20 Minuten auch zu Fuss erreichen. Die U-Bahn ist ca. 10 Minuten weg, was fuer New Yorker-Verhaeltnisse viel ist, da die alle sehr gehfaul sind und alles direkt vor der Nase haben muessen, aber wir fanden das nicht so schlimm. Supermaerkte, Apotheke etc. ist alles in der naeheren Umgebung. Unser Fazit war: Es ist schade, dass die Wohnung keinen Balkon hat, allerdings haben wie gesagt leider die wenigsten Wohnungen in Manhattan einen Balkon, geschweige denn einen, den man auch nuetzen wuerde, aber eine schoenere und geraeumigere Wohnung als diese werden wir in der Gegend zu einem bezahlbaren Preis sicher nicht finden. Was ich an der Wohnung einfach sehr mochte, war die Aussicht aus allen Raeumen. Es gab nicht einen Raum, der auf ein anderes Gebaeude geblickt hat, man hatte ueberall freie Sicht. Und wie gesagt, die Zimmer sind echt gross und durch die ganzen Closets gibt es genuegend Stauraum. Das Bad ist zwar auch wieder ziemlich klein, aber es reicht schon aus und der Zustand war auch in Ordnung. Ach ja, die Zimmer hatten auch alle sehr, sehr schoene Holzboeden, versiegelt natuerlich. Die schreiben hier ja nie die Quadratmeter bzw. hier ja square feet mit dazu, sondern hier geht es immer nur um die Anzahl der bedrooms, aber geschaetzt hat die Wohnung ungefaehr 100qm, vielleicht etwas weniger. Die duerfte in etwa, wenn nicht sogar ein bisschen groesser als unsere momentane Wohnung in Solln sein, also muessten 100qm eigentlich ganz gut hinkommen. Und man muss bedenken, dass wir keine Kleiderschraenke brauchen wuerden. Im Aufzug haben wir noch eine Hausbewohnerin (in etwa unser Alter) getroffen, die gemerkt hat, dass wir uns hier eine Wohnung angeguckt hatten, und die war gleich ganz begeistert vom Haus und dass sie da sehr gerne wohnt. Ueberhaupt haben die Leute, denen wir so begegnet sind (noch eine Frau mit Hund) alle einen sehr netten Eindruck gemacht.

Die letzte Wohnung, die wir uns dann noch angeschaut haben, war dann wiederum gar nichts. Fenster wie im Gefaengnis mit Gitterstaeben (die man allerdings angeblich wohl abnehmen kann) und die Raeume alle recht alt und irgendwie schmuddelig und sehr duester.

Zusammenfassend ist also zu sagen, dass das Angebot in der Gegend, wo wir gerne waeren, sehr begrenzt ist, uns die Wohnung in der Upper East Side am Fluss aber schon zusagen wuerde. Man muss sich das Leben sicherlich etwas zurechtschneidern und auf manche Annehmlichkeiten verzichten, dafuer kann ich es mir, wie gesagt, nicht vorstellen, dass wir in Manhattan eine schoenere Wohnung als diese finden wuerden. Als wir die Wohnung betreten haben, konnte ich mir auch sofort vorstellen, dort zu wohnen, was ja ein ganz gutes Zeichen ist. Und da wir spaeter, in zwei Jahren oder so, wenn wir genug von Manhattan haben, eh evtl. weiter raus und nach New Jersey oder so ziehen wollen (zumindest ich moechte spaeter sicher irgendwann lieber weiter raus, aber Markus haette da auch nichts dagegen), ist es jetzt auch nicht so, dass wir eine Wohnung hier auf Lebzeit suchen. Aber sie soll uns natuerlich schon so gefallen, dass wir es uns vorstellen koennten, dort eine Weile zu leben und das ist bei besagter Wohnung schon der Fall.

Wir werden wohl also eine “Application” einreichen und gespannt darauf warten, was passiert.

Wir halten euch auf dem Laufenden ….

Artikel gespeichert unter: Allgemein, New York

bisher 3 Kommentare Eigenen Kommentar schreiben

  • 1. Janni  |  17.Mai 2006 at 10:06

    Oh ist das alles spannend. Bilder!! =)

  • 2. Chris  |  17.Mai 2006 at 10:56

    Ihr könnt euch ja in der Zwischenzeit mal diesen Film hier ausleihen:
    http://german.imdb.com/title/tt0116707/
    Dann könnt ihr euch schonmal darauf einstellen, wie eure zukünftige Bleibe aussehen könnte ;-)

    Aber eigentlich wünsche ich euch natürlich viel Glück bei der Suche.

  • 3. Getno  |  17.Mai 2006 at 17:44

    Juhuu! Ich drücke auch die Daumen!

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