Wohnungssuche, Teil 1

16.Mai 2006 Tina

Der Tag ging schon mal super los. Na ja, eigentlich ging’s schon am Sonntag Abend super los. Nachdem unsere Maklerin letztens noch meinte, dass wir uns wohl so 6 - 7 Wohnungen pro Tag anschauen wuerden, kam am Sonntag erstmal die erste Enttaeuschung. Nach unseren Kriterien hat sie nur vier Wohnungen gefunden. Alle vier zwar an der Upper West Side, unserer bevorzugten Gegend, doch wie sich herausgestellt hat, entsprachen diese drei noch nicht mal zu 100% unseren Kriterien. Gut, eine Wohnung in Manhattan in guter Lage, einer guten Groesse (3 Zimmer, hier sagt man dazu 2 bedrooms) mit eigenem Balkon oder gar Garten zu finden, die noch dazu bezahlbar ist, ist nun mal etwas hoch gegriffen. Dass man seine Ansprueche runterschrauben muss, wird einem hier ziemlich schnell bewusst. Alle Kriterien sind in Manhattan einfach nicht zu erfuellen.
Nun ja, wir wollten uns also am Montag um 9.30 Uhr mit der Maklerin vor der ersten Wohnung treffen. Wir gehen aus dem Haus, es giesst in Stroemen. Und wenn es hier giesst, dann so richtig. Wir hatten natuerlich beide keinen Schirm. Zum Glueck kann man hier in jedem Zeitschriftenladen echt gute Knirpse fuer $3,50 kaufen.

An der ersten Wohnung angekommen, haben wir in der Lobby auf Jessica, unsere Maklerin, gewartet. Die Lobby war eigentlich sehr schoen mit Stuck an der Decke und schoen verzierten Waenden. Nur der Boden und der Tisch des Doormans waren etwas heruntergekommen. Fuer all diejenigen, denen der Begriff “Doorman” nichts sagt. Viele der so genannten “Highrises”, also der mehrstoeckigen Gebaeude in New York, haben so einen Doorman bzw. eigentlich sind es mehrere, die im Wechsel rund um die Uhr dafuer sorgen, dass keine Leute das Gebaeude einfach so betreten, die nicht darin wohnen. Vielen Menschen in NY ist sowas wichtig, weil es einem schon ein Gefuehl an Sicherheit gibt, wenn man weiss, dass nicht Hinz und Kunz das Gebaeude unsicher machen kann.

Jessica kam dann schliesslich auch, eine ziemlich kleine, aber sehr quirlige Maklerin. Bisher hatten wir nur per Telefon oder E-Mail Kontakt, das war unser erstes Treffen. Als wir nach oben gefahren und aus dem Lift ausgestiegen sind, war der Flur schon gleich etwas aussergewoehnlich. An den Waenden hingen Poster von Bands (immerhin in Bilderrahmen) und alles war etwas … alt. Die Wohnung dann war dann gleich das, was ich mir nicht so gerne als ersten Eindruck gewuenscht haette. Eine reichlich versiffte Wohnung mit total vergilbten Waenden. Nichts gegen Raucher, aber das war wirklich eklig. Die Wohnung war schon ausgeraeumt, aber man hat genau gesehen, wo Bilder hingen oder Schraenke standen, da an diesen Stellen die Wand noch einen Hauch von Weiss hatte. Nun ja, das war dann schon mal nix und auch wenn ich dachte, recht viel schlimmer kann’s eigentlich gar nicht mehr werden, war ich dennoch nicht zuu optimistisch gestimmt.

Wir drei also durch den stroemenden Regen zu Wohnung Nummer 2. Das Gebaeude von aussen war nicht sehr schoen, darum haben wir uns auch nicht allzu viel erwartet. Wobei man sagen muss, dass viele dieser aelteren Highrises einfach von aussen nicht sehr schoen sind. An der Wohnung oben angekommen, mussten wir erstmal feststellen, dass sich ausser uns noch ungefaehr 6 Handwerker in der Wohnung befanden, die gerade dabei waren, die komplette Wohnung zu renovieren. Also wirklich alles neu, neues Bad, neue Boeden, neue Kueche, alles neu. Was eigentlich cool ist, nur konnte man sich z. B. unter der Kueche noch nicht allzu viel vorstellen, da diese noch gar nicht vorhanden war. Zu erkennen war nur, dass sie quasi schon eher Teil des Wohnzimmers werden wuerde, allerdings durch eine Theke abgetrennt. Die Raeume waren, soweit man sich das halt so vorstellen konnte, schon okay, allerdings ziemlich dunkel. Das ist leider eine Sache, die viele NYer Wohnung an sich haben. Sie sind leider ziemlich dunkel, zumindest immer ein bis zwei Zimmer. Unten gab es zwar einen Hof mit ein paar Baenken und einem Spielplatz, aber eigentlich waren wir uns schon oben relativ schnell einig, dass die Wohnung fuer uns nicht in Frage kommen wuerde, auch wenn es schon reizvoll ist, wenn wirklich alles neu ist.

Weiter ging es zu Wohnung Nummer 3. Riverside Drive, eine schoene Adresse direkt am Riverside Park. Die Lobby: beeindruckend. Mit Kronleuchtern an der Decke, total schoenen Waenden und Stuck an der Decke. Die Flure waren dann schon etwas weniger charmant. Zwar schon okay, aber alles etwas alt und abgerissen. Aber man wohnt ja auch nicht im Flur. In dem Haus sollten wir uns zwei Wohnungen anschauen, eine im vierten und eine im sechsten Stock, wobei die im sechsten Stock natuerlich gleich $100 teuer war, da etwas weiter oben. Ist in Manhattan allgemein die Regel: Je hoeher, desto teurer. Die erste Wohnung war gar nicht schlecht. Schoene Zimmer, eine super Kueche, echt gross und geraeumig, was fuer New Yorker Verhaeltnisse sehr selten ist, da auf Kuechen hier nicht so viel Wert gelegt wird. Das Schlaf- und das dritte Zimmer waren etwas dunkel, das Wohnzimmer dafuer sehr schoen mit Blick auf den Park. Der Nachteil bei Schlafzimmer, drittem Zimmer und Kueche war, dass direkt vor dem Fenster quasi das naechste Haus anfing. Leider auch eine Sache, die man hier oft findet, wenn man nicht gerade eine Wohnung im 15. Stock oder hoeher hat. Daher sind viele Raeume eben auch etwas dunkel. Eigentlich waren wir aber trotzdem nicht gerade unangetan von der Wohnung. Nur die Groesse des Schlaf- und des dritten Zimmers hat uns etwas zu schaffen gemacht. Die waren beide schon relativ klein, ins Schlafzimmer haette unser Bett gerade mal so reingepasst, dass man die Schraenke noch haette aufmachen koennen. Und das Bad war auch nicht sooo toll, aber waere schon gegangen. Baeder enthalten generell auch nur das wichtigste (Klo, Badewanne und Waschbecken mit Unterschrank) und sind nie besonders gross.
Die Wohnung im sechsten Stock war eigentlich bis auf Kleinigkeiten fast identisch. Der Blick vom Wohnzimmer aus war noch ein bisschen schoener, weil man auch was vom Fluss gesehen hat, allerdings war das Bad da richtig winzig. Und die Kueche war nicht ganz so schoen wie die im vierten Stock. Wenn, dann waere fuer uns also die Wohnung im vierten Stock in Frage gekommen.

Die letzte Wohnung war ein relativ zuegiger Termin, weil die auch aus mehreren Aspekten nicht in Frage kam.

Tja, und dann waren wir auch schon wieder am Ende der Besichtigungstour. Jessica hatte noch einen Termin fuer abends, allerdings konnte sie da selbst nicht mit anwesend sein, der Vermieter persoenlich war aber vor Ort. Die Wohnung war auch in der Upper West Side in einem so genannten Townhouse, einem netten kleinen Haus auch in der Naehe des Riverside Parks. Es war eine Duplex-Wohnung mit zwei Etagen und … Garten!! Der Garten war der Hammer, gar nicht mal so klein und echt schnucklig, wirklich schoen. Nur leider war der Rest nicht wirklich schoen. Das Wohnzimmer ging noch, die Kueche auch, wenn schon etwas klein, das dritte Zimmer war allerdings nur so eine Art Durchgang zum Garten und das Schlafzimmer hatte einen total haesslichen Boden und die Baeder (2 Stueck) waren beide auch schon ziemlich alt. Sehr schade, da der Garten wirklich toll war, aber die Wohnung war einfach so gar nichts.

Weiter geht’s in Teil 2 …

Artikel gespeichert unter: Allgemein, New York

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