Tagesarchiv für den 20. Mai 2007

Der Onkel Ben aus Amerika

Uncle Ben’s Reis kennt ja nun wirklich jeder, nehme ich an. Und ebenso nehme ich an, dass sich noch nie jemand Gedanken über den Onkel auf dem Logo gemacht hat, oder? Hier ist das anders, und wenn man sich das Logo einmal genauer ansieht, wird auch schnell klar, warum das so ist:

Für mich war Uncle Ben einfach nur ein freundlicher Herr, tatsächlich entspricht er aber genau dem Bild eines servilen dunkelhäutigen Dieners auf einer Ranch irgendwo im Süden der USA. Dazu kommt noch der Name - den Sklaven und später auch den Dienern blieb die förmliche Anrede “Mr.” und “Mrs.” verwehrt, sie wurden grundsätzlich mit dem Vornamen angesprochen. Wenn sie älter wurden, nannte man sie dann “Uncle” oder “Aunt” (eine weitere sehr populäre Marke ist Aunt Jemina). In den Fünfzigern und Sechzigern gab es eine ganze Reihe von heutzutage eher fragwürdigen Werbegestalten, die aber nach und nach still und heimlich verschwanden - bis eben auf Uncle Ben und Aunt Jemina. Letztere bekam zumindest ein etwas weniger stereotypes Abbild spendiert: vorher - nachher.

Und jetzt ist Uncle Ben dran - als eine Art Würdigung seines Lebenswerks hat sich der Hersteller (Lebensmittelgigant Masterfoods) dazu entschlossen, ihn zum Chairman zu ernennen. Rein virtuell natürlich und im Rahmen einer groß angelegten Marketingkampagne. Wenn man die offizielle Website www.unclebens.com besucht, landet man nun im Büro von “Chairman Ben”, kann durch seine Korrespondenz blättern, seine “privaten Fotos” betrachten und jede Menge Hintergrundinfos zum Reis, Rezepten etc. erhalten. Alles sehr nett, aber gleichzeitig irgendwie auch arg bemüht - schließlich sieht der gute Ben immer noch aus wie der freundliche Diener der Familie Doe aus Redneck Springs, Mississippi. Ich bin mir nicht sicher, ob ich es gut oder schlecht finden soll, eines ist auf jeden Fall klar: so unbedeutend die Aktion weltweit vielleicht sein mag, so deutlich stellt sie hier mal wieder klar, dass das Thema Hautfarbe und die dazu gehörigen Vorurteile, Klischees und Stereotypen noch lange (vielleicht sogar für immer) in besonderem Maße belastet sein wird.

bisher 4 Kommentare 20. Mai 2007 Markus


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