Tagesarchiv für den 03. Februar 2007

Total viral

Irgendwie laeuft gerade was schief mit dem Viralen Marketing. Noch vor kurzem wurde es als essenzielles Tool gesehen, um die MySpace/YouTube-Generation zu erreichen und alles, was viral war, war toll. Seit ein paar Monaten haeufen sich aber die Berichte von grauenhaft schiefgelaufenen Versuchen von Agenturen, mal so richtig auf underground zu machen und die Jugend zu erreichen. Die wohl peinlichste Aktion leistete sich Sony mit ihrer jetzt schon legendaeren Alliwantforchristmasisapsp-Kampagne, aber auch Wal-Mart und McDonalds hatten sich zuletzt duch ihre jeweiligen Fake-Blogs (”Flogs”) nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Merke: Internetuser sind nicht bloed und vor allem notorisch misstrauisch, wenn man ihnen etwas unterjubeln will. Irgendjemand findet immer die Wahrheit heraus.

Letzte Woche erwischte es nun Turner Broadcasting: eine virale Marketingaktion fuer Aqua Teen Hunger Force, einer Serie bei Adult Swim, ging gruendlich in die Hose - oder doch nicht? Folgendes war passiert: eine Marketingfirma wurde damit beauftragt, in 10 Staedten blinkende elektronische Schilder aufzustellen. Und das sah dann so aus:

In neun von 10 Staedten war das auch gar kein Problem (hier in New York kam ich immer auf dem Weg in die Arbeit an einem dieser Schilder vorbei), nur in Boston gab es Aerger. Dafuer aber so richtig: aus irgendwelchen Gruenden gerieten dort diverse Leute in Panik und riefen die Polizei,weil sie die Schilder fuer Bomben hielten (schon klar, wenn ich was in die Luft sprengen will, bringe ich den Sprengsatz natuerlich an gut sichtbaren Orten an und lasse ihn ordentlich blinken, damit ihn auch jeder sieht…). Diese nahm die Buergersorgen ernst und entfernte alle Schilder durch Sondereinsatzkommandos. Kosten: schlanke $500.000 - mindestens. Die darf Turner Broadcasting uebernehmen und musste sich oeffentlich entschuldigen, die Bostoner Buerger so in Angst versetzt zu haben. Erhoehte Alarmbereitschaft in allen Ehren, aber das fand ich dann nun wirklich albern. Eine Empfindung, die ich mit den beiden Herren teile, die kurzzeitig in Haft waren, weil sie die Schilder aufgestellt hatten. In einer Pressekonferenz nach ihrer Freilassung teilten sie der versammelten Reporterschaft mit, dass sie nur Fragen zu Haarmoden der Siebziger beantworten wuerden…

Die Kosten fuer Turner sind auf jeden Fall happig, allerdings haetten die kleinen Schildchen niemals fuer so eine Aufmerksamkeit gesorgt wie der Ballyhoo, der letzte Woche um die schiefgelaufene Aktion entstand. Keine Ahnung, ob das $500.000 wert war - die Serie kennt jetzt jedenfalls jeder. Und ich habe schon mal Inspiration fuer mein diesjaehriges Halloweenkostuem bekommen.

jetzt kommentieren? 03. Februar 2007 Markus


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