Tagesarchiv für den 18. Juli 2006

Coney Island rockte

Jedenfalls halbwegs. Da meine zwei Begleiter wegen Hausputz (mein unter dem Pantoffel stehender Kollege) und massivem Kater (mein ueberhaupt nicht unter dem Pantoffel stehender Lieblingsaustralier) als Begleiter leider ausfielen, war ich alleine dort. Ich war schon oefters allein auf Konzerten, aber nur dann, wenn ich die Band so richtig, richtig genial fand, dann stoeren auch die Wartezeiten nicht so. Bei einem Festival ist es allein allerdings dann doch eher oede, vor allem wenn so wie hier die Ab- und Aufbauzeiten zum Teil genauso lange dauern wie die Spielzeit der Bands. Aber nichtsdestotrotz war es einen Besuch wert - nicht nur wegen der Musik. Ich habe mich auf die Stillwell-Stage konzentriert und daher die Scissor Sisters verpasst. Spaet war ich auch noch dran, weswegen ich nur noch den Schluss von The Cribs (nett), Art Brut (hatte ich irgendwie cooler in Erinnerung) und The Stars (richtig gut) mitbekommen habe. Schon gut, aber alles nicht sensationell, was vielleicht auch mit der nicht wirklich abgehenden Menge zu tun hatte. Ob es an der New Yorker Coolness lag oder an der Tatsache, dass Zuschauer bei Gratis-Konzerten generell schwieriger zu begeistern sind, kann ich nicht sagen - vermutlich lag es an beidem.

Coney Island an sich bzw. der durch viele Filme (The Warriors!) bekannte, leicht heruntergekommene Vergnuegungspark sind aber auf jeden Fall immer einen Besuch wert. Allein schon deshalb, weil sie ebenso wie ein Baseball-Spiel wunderbar Amerika symbolisieren. Die alten Buden und Achterbahnen zelebrieren klassische Vergnuegungsparkunterhaltung und auf der Strandpromenade kann man sich stundenlang damit beschaeftigen, die seltsamen Charaktere zu begutachten, die sich dort produzieren. Von dem Typen, der sich eine 3-Meter-Schlange um den Koerper gewickelt hat ueber die sehr cool und sehr old school breakdancende Gang bis hin zu der Bande absolut durchtrainierter Typen, die sich oben ohne mit kreischenden vollschlanken Damen fotografieren lassen (und anschliessend selbst gemachte Fotokalender verkaufen), ist wirklich viel geboten.

Zwei Dinge werden mir aber so richtig lang in Erinnerung bleiben, weil sie einfach SO amerikanisch sind: Einmal der “Shoot that Freak!“-Stand auf der Promendade, wo man sich damit vergnuegt, mit Paintball-Knarren auf einen armen Kerl zu ballern, die sich mit Schutzanzug und Schild bewaffnet in einer Art Ghetto-Hintergrund tummelt. Natuerlich ist das ganze besonders beliebt bei kleinen Kindern und testosteronschwangeren Kerlen, die ihrer Freundin zeigen wollen, was sie fuer echte Kerle sind. 90% der Kommentare beim Schiessen wollt ihr nicht hoeren… Die zweite faszinierende Attraktion, die die ich aber leider (?) um eine Woche verpasst habe, ist der alljaehrliche Hot Dog-Wettess-Wettbewerb, den die alteingesessene Firma Nathan’s dort durchfuehrt. Gewonnen hat dieses Jahr zum wiederholten Male ein Japaner, der innerhalb von 12 Minuten 53 3/4 Hot Dogs verzehrt hat. Vor 30.000 Fans. Am Besten gefallen hat mir in diesem Zusammenhang das offizielle Zitat des Nathan’s-Geschaeftsfuehrers: “Dieser Wettbewerb verkoerpert jedes Jahr die Stimmung, die mit dem Sommer in Verbindung gebracht wird.”

So ist das wohl. Aber die Hot Dogs sind echt saugut.

bisher 7 Kommentare 18. Juli 2006 Markus


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