Tagesarchiv für den 16. Juli 2006

Pitcher, Popcorn und Patrioten

“Und schon wieder andere Baelle” ware als Ueberschrift ja dann doch zu langweilig gewesen - obwohl es gestimmt haette. Gestern Abend habe ich mir zum zweitenMal in meinem Leben einBaseballspiel angesehen new-york-yankees.jpgund - liegt das an der schleichenden Amerikanisierung? - es war richtig gut! Baseball live ist ungefaehr das Amerikanischste, was es gibt, auf jeden Fall das Amerikanischste, was ich bis jetzt erlebt habe. Aber der Reihe nach. Um es vorweg zu nehmen: an der schleichenden Amerikanisierung liegt es sicher nicht, es war einfach ein cooles Erlebnis. Ich war mit einer Horde Australier unterwegs, was schon mal immer ein gutes Vorzeichen fuer einen gelungenen Abend ist. Ein gemeinsamer Freund von Tina und mir hatte eine Karte fuer mich uebrig, weswegen der Feierabend spontan ein wenig frueher beginnen musste. Praktischerweise faehrt meine Subway direkt bis zum historischen Yankee-Stadion in der Bronx, weswegen ich auch puentklich um 7.30 Uhr dort sein konnte. Die New York Yankees spielten gegen die Chicago White Sox, was vermutlich keinen Menschen interessiert, aber der Vollstaendigkeit halber vermerke ich es einfach mal. Erster positiver Eindruck: die Ticketpreise sind sehr moderat: fuer 17$ pro Person hatten wir wirklich ordentliche Plaetze. Wenn ich da an die durchschnittlichen Preise fuer FCB-Karten denke… Erster negativer Eindruck: die Preise fuer Nahrung sind extrem. 9$ fuer vier lauwarme panierte Huehnerteile mit laukalten Pommes sind schon bitter. Dafuer gibt es wirklich alles, was man bei Sportveranstaltungen so braucht: besagte Huehnerdinger, Burger, Bier, Popcorn, Erdnuesse, Hot Dogs… alles dabei. Wobei die Hot Dogs sogar richtig gut sind. Jedenfalls im Vergleich zu den Huehnerdingern. Und die Nuesse bekommt man nicht einfach so: Menschen mit Bauchlaeden laufen durch die Reihen, und wenn man die Hand hebt, sollte man gute Reflexe haben, denn die Tueten werden gerne auch mal bis zu vier Reihen weit geworfen. Schee! Aus der Abteilung Popcorn kann ich auch Neues vermelden: gewohnt bin ich ja suesses oder salziges Popcorn. Im Stadion verteilt (bzw. geworfen) wird die suesse Variante. Die sehr suesse Variante. Denn nur zuckern reicht ja auch nicht - unser Popcorn war zusaetzlich in Caramel gedippt… g’sund! Wie sagte die amerikanische Freundin eines Australiers neben mir nach dem Verzehr von Huhn, Hot Dog und Popcorn so richtig: “Now you had all major American food groups in one single night!” Ach ja, Baseball wurde auch noch gespielt. Und so langsam kann ich die Begeisterung auch nachvollziehen. Die Details bleiben mir immer noch verborgen, aber die grundsaetzlichen Regeln kenne ich inzwischen gut und so langweilig, wie die Spiele am Fernseher vielleicht rueberkommen, ist es live beileibe nicht. Vor allem kommt vor Ort die amerikanische Spezialitaet voll zur Geltung, immer den groesstmoeglichsten Unterhaltungswert zu liefern: viele Spieler der Yankees haben eigene Jingles und Anfeuerungsrufe, in jeder Pause gibt es Ratespiele oder es wird einfach in die Menge gefilmt, die mehr oder weniger enthusiastisch/originell reagiert. Beeindruckendstes Erlebnis diesbezueglich: der Spitzname eines New Yorker Spielers lautet “Sandman”, weswegen immer, wenn er ins Spiel kommt, “Enter Sandman” von Metallica gespielt wird, wozu dann das ganz Stadion kollektiv ausflippt. War natuerlich genau das Richtige fuer mich.

Aber auch die patriotische Seite Amerikas ist natuerlich immer und ueberall dabei. Nach dem 7. Inning wurde um Ruhe gebeten, weil ein mir unbekannter Saenger fuer Amerika im Allgemeinen und “fuer diejenigen, die im Kampf um die Freiheit ihr Leben lassen mussten” im Besonderen God bless America vortrug. Dazu standen alle auf - wir auch, ist ja auch kein Problem. Ein Problem war aber offensichtlich fuer meinen Hintermann, dass ich meine (frisch gekaufte) Yankees-Baseballkappe auf hatte - ich wurde recht deutlich aufgefordert, sie doch bitte abzunehmen. Was ich dann auch gemacht habe - der Typ war nicht aggressiv, nicht mal unfreundlich, aber es war ihm offensichtlich sehr wichtig. Ich bin ja nicht so, aber das ist eine Sache, an die ich mich wirklich noch gewoehnen muss. Auf jeden Fall endete das Spiel hollywoodreif durch einen eigenen Homerun im letzten Inning und einem erfolgreich abgewehrten Homerun des Gegners ganz knapp 6:5. Und was wird als Siegeshymne zum Schluss gespielt? Na was wohl! Das hier natuerlich! Und wer hat am Lautesten mitgesungen? Ahem…

Ein Besuch im Stadion der Yankees ist auf jeden Fall empfehlenswert, besser kann man den American Way of Life kaum in so kurzer Zeit erleben. Alle Besucher sind hiermit jetzt schon zu einem Besuch eingeladen - ich erklaere auch gern die Regeln…

bisher 4 Kommentare 16. Juli 2006 Markus


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